„Seehundalarm“ an der Lecker Au

Das hätte Familie Geyer aus Leck im Traum nicht gedacht: ein Seehund im eigenen Garten! Doch durch die vielen Regenfälle, Sturmfluten und das damit verbundene Hochwasser in den Auen stieg auch die Lecker Au über die Ufer bis in den Garten an der Süderstraße. Dort wurde der kleine Seehund mit der Nummer 2600 angeschwemmt und nachmittags vom neunjährigen Ark gefunden.

„Mama, da ist eine Robbe im Garten!“

rief er aufgeregt. Nadine Geyer traute zunächst ihren Ohren nicht, überzeugte sich aber mit Arks Bruder Bo und dessen Freund Nick umgehend selbst vom ungewöhnlichen Fund.

Dass Seehunde auch über Schlüttsiel ins Land reinschwimmen, ist nicht sehr ungewöhnlich. Im Bottschlotter See sind immer wieder welche aufgetaucht. Vermutlich ist auch Ark auf diesem Weg gekommen – und dann über den Bongsieler Kanal und die Lecker Au über 20 km gegen den Strom geschwommen.

Angelica Lorenzen, Nachbarin der Familie Geyer, hatte die rettende Idee, wie dem hustenden Seehund geholfen werden konnte: sie informierte die Seehundstation Friedrichskoog, die umgehend Seehundjäger Martin Sell nach Leck schickten.

Der Seehund unterliegt dem Jagdrecht. Er wird seit 1974 in Schleswig-Holstein nicht mehr bejagt, sondern unterliegt einer ganzjährigen Schonzeit. Als verantwortliche Jagdaufseher für diese Wildart hat die Landesregierung in Schleswig-Holstein sogenannte Seehundjäger eingesetzt. Nur sie sind berechtigt Heuler zu bergen und an die Station zu übergeben.

Wird ein Heuler gemeldet, so entscheidet der Seehundjäger über die weitere Vorgehensweise. Jeder Einzelfall wird vor Ort sorgfältig geprüft, damit kein junger Seehund unnötig in Gefangenschaft gerät.

Zu den weiteren Aufgaben der Seehundjäger gehören neben der Betreuung von Heulern und verletzten Seehunden und Kegelrobben auch die Bergung von toten Meeressäugern, die Durchführung von Kontrollfahrten sowie Informations- und Aufklärungsarbeit.

Sell konnte das noch junge Tier (geboren im letzten Sommer) mit dem Kescher einfangen. Er untersuchte das Flossentier und stellte nicht nur fest, dass es sich um ein männliches Exemplar handelt, das im letzten Jahr in der Seehundstation Friedrichskoog aufgepäppelt worden ist – er diagnostizierte auch mit geübtem Blick, dass Ark unter Lungenwürmern und Durchfall leide. Hinweise auf die Würmer seien das blutverschmierte Maul und der Husten. Auch das Gewicht des Jungtieres mit ca. 20 kg bei 105 cm Größe sei zu gering. Eigentlich sollte er schon ca. 28 kg wiegen.

 

Ark ist im letzten Juni geboren und als Heuler bereits einmal in die Seehundstation Friedrichskoog gekommen – davon zeugt eine orange Marke an der Schwanzflosse, mit der die Tiere registriert werden.

Auch wenn Martin Sell es als „großen Zufall“ beschreibt, dass Ark bis in den Garten von Familie Geyer schwimmen konnte: im Zeichen des sich wandelnden Klimas sollte man auch auf Seehunde im eigenen Garten vorbereitet sein.

Was tun im Falle eines Seehundfundes?

Martin Sell lobte Ark und seine Familie ausdrücklich, sie hätten alles richtig gemacht.

Rücksichtsvolles Verhalten gegenüber den Tieren ist auch im Freiland ausgesprochen wichtig. Der Landesjagdverband Schleswig-Holstein, die Nationalparkverwaltung und die Seehundstation Friedrichskoog bitten, in der freien Wildbahn einen großen Abstand zu den Meeressäugern einzuhalten.

Beim Fund eines allein liegenden Seehundes sollte folgendes beachtet werden:

  1. Robben nicht anfassen.
  2. Hunde fernhalten und weiten Abstand einhalten.
  3. Seehundjäger, Seehundstation oder Polizei benachrichtigen.

Bei einem Heulerfund entscheidet der zuständige Seehundjäger vor Ort über die weitere Vorgehensweise. Jeder Einzelfall wird sorgfältig geprüft. Die Seehundstation Friedrichskoog ist gemäß internationalem Seehundabkommen die einzig berechtigte Aufnahmestelle für Robben in Schleswig-Holstein. Nur die vom Land Schleswig-Holstein bestellten Seehundjäger sind berechtigt, die Heuler zu bergen.

Wir wünschen Ark, dass er sich bald von seinem Ausflug erholt hat und wieder gemeinsam mit seinen Artgenossen in der Nordsee plantschen kann! Den Namen „Ark“ bekam der Seehund übrigens von Martin Sell nach seinem Finder Ark Geyer.

Informationen über Seehundjäger, den Umgang mit Heulerfunden und vieles mehr: www.seehundstation-friedrichskoog.de