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Morgens um sieben …

… ist die Welt noch nicht in Ordnung in Leck.

An einem Montagmorgen Ende August stehe ich Punkt sieben auf dem Bauhof der Kommunalbetriebe. Clemens Nissen-Schütt, seit 27 Jahren Mitarbeiter der Gemeinde Leck, hat ordentlich die Arbeitsmaterialien für sein Montagsprogramm vor seinem Fahrzeug aufgereiht. „Ich liebe Ordnung“, sagt der 54jährige, auf dessen Programm heute, wie an jedem Montag, die „große Müll-Runde“ steht: Entleerung sämtlicher Mülleimer im Gemeindegebiet.

Während wir uns auf den Weg zur ersten Anlaufstelle, dem ZOB machen, erzählt mir Clemens, wie umfangreich sein eigentliches Aufgabengebiet ist. Als gelernter Gärtnermeister ist er mit seinen Kollegen für die Anlagen- und Baumpflege und Umgestaltung der Bepflanzung im Ort und der Umgebung zuständig. Auch die Waldflächen im Osterholz und Westerholz gehören dazu. Weitere Aufgaben sind Pflasterarbeiten, Asphaltierung, Pflege und Reinigung der gemeindlichen Beschilderung, Winterdienst oder die Vorbereitung des vergangenen Lecker Jahrmarktes, die Knickpflege und vieles mehr…

Alle Mitarbeiter des Bauhofes unterstützen den Bürgerfestverein bei den Vor- und Nachbereitungen des alljährlichen Bürgerfestes, sorgen dafür, dass für die Stände des Wochenmarktes freitags immer Platz auf dem Kirchplatz ist und kümmern sich um die Weihnachtsbäume, die in jedem Jahr markante Punkte in Leck, Klintum und Oster-Schnatebüll sowie das Lecker Weihnachtsdorf auf dem Kirchplatz zieren.

Ein vielfältiges Aufgabengebiet – aber die große Abwechslung, die sein Beruf mit sich bringt, mag Clemens Nissen-Schütt grade „sehr gerne“!

Die öffentlichen Mülleimer werden dreimal pro Woche geleert – nach jedem Wochenende sind am Montag erst mal alle Mülleimer dran, am Mittwoch geht es auf eine kleinere Runde und am Freitag wird alles für’s Wochenende wieder schier gemacht. Wenn nichts Außerplanmäßiges dazwischen kommt und die Müllsammelrunde unterbrochen werden muss, dann ist ein Mitarbeiter den ganzen Montag nur mit der Müllentsorgung beschäftigt.

Die grobe Route führt über den ZOB, das Rathaus, Garten- und Parkanlagen wie den Augarten über das Wildgehege, den Reisemobilhafen, die Hauptstraße, mehrere Waldflächen und den Bürgerpark schließlich nach Klintum und Oster-Schnatebüll. Dabei werden in großen blauen Säcken jede Woche im Durchschnitt 300 – 350 kg Müll eingesammelt, in Spitzenzeiten auch mehr!

Alleine zwischen ZOB und Rathaus stehen 23 Mülleimer, die per Hand geleert werden. Natürlich könnte man die großen Mülleimer, die in der Hauptstraße zum Teil schon aufgestellt und mit Beuteln ausgestattet wurden, im gesamten Ort aufstellen. Aber zum einen ist das eine Kostenfrage, zum anderen wird heute schon in den kleinen Mülleimern von rücksichtslosen Zeitgenossen beutelweise Hausmüll entsorgt. Das ist sehr ärgerlich.

Das Wartehäuschen am ZOB befreit Clemens Nissen-Schütt mit dem Besen als erstes gründlich von Müll, Essensresten und vor allem Scherben. Er kann verstehen, dass manche Menschen sich dort nicht unterstellen wollen. Die gründliche Reinigung mit dem Hochdruckreiniger ist heute Nachmittag an der Reihe, das wird nach Bedarf, aber mindestens einmal wöchentlich erledigt.

Hinter dem Viehmarktplatz haben wir in der Zwischenzeit sogar einen Stuhl gefunden, neben dem auf dem Boden leere Eisbecher standen – auch wenn Nissen-Schütt für Fundsachen zuständig ist – dieser Stuhl ist leider ein Fall für den Sperrmüll. Auch auf Kosten der Gemeinde.

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Um Zeit zu sparen, fährt Clemens Nissen-Schütt auch kurze Wege mit dem Wagen – selbstverständlich immer umsichtig und mit Rundumleuchte. Nach 31 geleerten Mülleimern sind wir im Augarten angekommen. Hier warten 10 mehr oder weniger volle Mülleimer auf uns.

Herumliegender Müll wird mit einem Greifer eingesammelt. Ab und zu findet er auch schon einmal Spritzbesteck, bei dem er besonders vorsichtig ist. Gott sei Dank kommen solche Dinge nicht so häufig vor. Neben Zigarettenkippen und Lebensmittelresten sind mit Regenwasser vollgelaufene Mülleimer, benutzte Babyfeuchttücher (wie hier im Augarten am Spielplatz im Mülleimer) und offene, volle Hundekotbeutel besonders unangenehme Begleiterscheinungen seiner Arbeit.

Schnell noch kontrolliert, ob der Hundekotbeutelspender noch ausreichend gefüllt ist (ist er, die weiteren 5 inspiziert er später und füllt bei Bedarf nach), dann geht es zum Rathaus, wo ich um halb neun wieder anwesend sein muss.

Ich bedanke mich bei Clemens herzlich für den informativen Einblick in sein Arbeitsfeld und frage ihn nach einem Wunsch:

„Mehr Verständnis im Ort für meine Kollegen und mich bei unserer Arbeit!“

Ich denke, dass man ihm diesen Wunsch leicht erfüllen könnte, wenn man das nächste Mal durch Leck schlendert und vielleicht einen vollen Mülleimer sieht – er wird geleert. Vielleicht war heute nur etwas Wichtigeres an der Reihe!